EINBLICKE IN DIE VERSTECKTE WELT DER WÖLFE

Wölfe und ihre Beutetiere – großes Schalenwild – sind eine unserer Prioritäten. Das sagenumwobene Leben der karpatischen Wölfe ist bis heute noch in großen Teilen unbekannt.  Viele Jahrzehnte lang gab es nur wenig Interesse an diesen hundeähnlichen Raubtieren, die dem Mensch eigentlich so nah, aber doch so fern sind, sowohl von Seiten der Wissenschaft, als auch den Ausbildungsstätten. Wenn wir den Wolf wirklich weiterhin als Teil unserer natürlichen Umwelt behalten wollen, ist es unabdingbar, mehr über sein Verhalten und seine Ökologie zu wissen. Aufgrund des jahrelangen Desinteresses, gibt es nur endlose, unfruchtbare Debatten über die charismatischen Tiere. Die heute vorliegenden angeblichen Populationszahlen, die von Jägers- als auch Naturschutzseite vorgelegt werden, klaffen unvereinbar auseinander. Als Folge des fehlenden Managements wird der Wolf auf Grundlage verzerrter Zahlen überdurchschnittlich stark bejagt und aufgrund fehlenden Schutzes durch die ansässigen Förster auch noch gewildert.  

Seit der Gründung der CWS sammeln wir sämtliche Informationen über die slowakischen Wölfe. Der Schlüssel einer erfolgreichen Koexistenz des Wolfes neben den Menschen ist ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Wölfen und ihrer natürlichen Beutetiere im Wald, die ebenfalls von menschlichem Interesse sind, als auch den sogenannten Nutztieren, die der Mensch hält. Wenn Raubtiere ihre normalen Beutetiere im Wald töten, wird das als ein Schaden für die Jägerschaft definiert, obwohl es sich hierbei um einen natürlichen Prozess handelt. Es gibt zwar hierfür keine Kompensationen, aber die finanziellen Zahlen finden sich in der jährlich aufgestellten Jagdstatistik wieder. Diese Vorgehensweise trägt nicht gerade zur Toleranz von Beutegreifern bei, deswegen kritisieren wir diesen Punkt sehr stark. Die kleine Slowakei ist durchzogen von vielen Gebirgsketten. Wir arbeiten hauptsächlichen in der Mitte des Landes wo sich die Gebirge Poľana, Niedere Tatra, Veporské-Berge und das Muraň-Hochplateau befinden. Wir möchten gerne die Parameter herausfinden, wie Wölfe ihre Beutetiere wie Rothirsch (Cervus elaphus hippelaphus), die Wildschweine (Sus scrofa), Rehwild (Capreolus capreolus), Gemsen (Rupicapra rupicapra tatrica), domestizierte Schafe (Ovis aries) und Rinder bejagen. Oft werden die klassischen Beutetiere als „lebendes Dosenfutter“ degradiert, obwohl gerade ihre Strategien eben nicht bejagt zu werden, so interessant sind. Genau dieses Verhalten versuchen wir zu untersuchen und somit besser zu verstehen. Wir haben bereits viele Daten zur Ernährung des Wolfes zusammengetragen und als Erste in den Karpaten freilebende Wölfe sowohl in der Niederen, als auch in der Hohen Tatra mit VHF-Telemetrie ausgestattet, um ihre Wanderungsbewegungen zu studieren. Die entsprechenden Ergebnisse können in den englischsprachigen Publikationen „Home ranges of two wolves packs“ (2004) und  "Feeding ecology of wolf in the Slovak Carpathians" (2002) nachgelesen werden. Da es unglaublich essentiell ist, die Menschen über die wichtige Rolle des Wolfes in unserer Umwelt noch besser aufzuklären, publizieren wir Broschüren und präsentieren unsere Ergebnisse über das mystifizierte Tier auf Veranstaltungen, Konferenzen und Seminaren. Wir konnten mit Daten belegen, dass Wölfe aufgrund ihrer Bejagungen eine wichtige Hygienefunktion im Wald übernehmen können. In den 1990-iger Jahren gab es einen sehr schweren Ausbruch der Schweinepest (Pestis suum), der leider zusätzlich auf die wilden Verwandten unserer Hausschweine, die Wildschweine übergriff und sehr viele Tiere infizierte. In den Gebieten mit Wolfsbestand kam die Schweinepest zum Erliegen. Ein weiterer positiver Aspekt eines Wolfes im Wald ist die Reduzierung von Wildverbiss durch Reh-und Rotwild an Bäumen, welchen wir genauer untersuchen. 

 

Junge Wölfe in den Poľana Bergen. © Slavomír Finďo Wolffamilie Anfang August. © Slavomír Finďo

 

 

Bildersequenz einer sehr neugierigen jungen Wölfin © Slavomír Finďo Bildersequenz einer sehr neugierigen jungen Wölfin © Slavomír Finďo

 

 

Bildersequenz einer sehr neugierigen jungen Wölfin © Slavomír Finďo Bildersequenz einer sehr neugierigen jungen Wölfin © Slavomír Finďo

 

 

Bildersequenz einer sehr neugierigen jungen Wölfin © Slavomír Finďo

 

 

Einer der zahlreichen positiven Aspekte von Wölfen in einem Ökosystem ist es, die Populationszahlen ihrer Beutetiere nach unten hin zu beeinflussen und ihre Verteilung zu regulieren. Als Ergebnis finden wir einen reduzierten Wildverbiss, da Pflanzenfresser sehr gerne die neugewachsenen, frischen und saftigen Triebe abbeißen. Dieser Zusammenhang konnte vom Forstwirtschaftlichen Institut 2004 durch die Auswertung eines Netzwerkes an Probenflächen mit und ohne Wolfsvorkommen bestätigt werden. © Šebeň, Finďo 2011

 

 

Mithilfe klassischer VHF- als auch moderner GPS-Telemetrie erforschen wir die Interaktionen zwischen Wölfen und Rothirschen. . © Slavomír Finďo, Milan Rejko Mithilfe klassischer VHF- als auch moderner GPS-Telemetrie erforschen wir die Interaktionen zwischen Wölfen und Rothirschen. . © Slavomír Finďo, Milan Rejko

 

Die Gemsenpopulation in der Niederen Tatra steht unter einem hohen Bejagungsdruck durch große Beutegreifer, Steinadler, Raben und Füchse. Die Analyse von Auswirkungen der Bejagung wurde zusammen mit Freiwilligen der „Biosphere Expeditions“-Reiseorganisation untersucht. © Slavomír Finďo

 

 

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